Backpacking in Mittelamerika – Einmal Kuba, bitte!

Roter Oldtimer in Old Havana mit telefonierendem Kubaner.
Mit dem Rucksack durch Kuba - Old Havana.
© Johanna Schönach

Mit einer Verspätung von 35 Minuten landen wir am Flughafen in Havanna. Nervös trat ich von rechts nach links. Mein schwerer Rucksack zog mich leicht nach hinten. Mein Nacken schmerzte von dem langen Flug, aber trotzdem war ich glücklich und wahnsinnig aufgeregt. Mein Bruder stupste mich belustigt an: „Bist‘ nervös?“. Mein schiefes Grinsen verriet mich offensichtlich. Da wir nur Handgepäck hatten, waren wir schnell auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle.

Wir gelangen in einen großen Durchgangsraum, der einer Halle gleicht und nur spärlich eingerichtet ist. Vor uns stand eine alte Schulbank, die ich noch aus meiner Grundschulzeit kannte. Dort saß eine ältere Frau in Uniform, neben ihr ein Mann mit Maschinengewehr. Ich schluckte trocken und sah meinen Bruder mit großen Augen an. Etwas unsicher trat ich nach vorne und reichte der Dame meine Unterlagen. Mein Blick wanderte zu dem Mann mit Maschinengewehr. Kurz darauf gab sie mir mürrisch meine Klarsichtfolie zurück und ich wurde zur nächsten Station weitergeschoben.

An einem der vielen Schalter scannte man mein Gesicht. Ich sah in die Kamera und musste fast lachen. Dieselben Webcams haben wir in der Arbeit für unsere Videocalls. Das Visum für die Einreise wurde kontrolliert und mein Reisepass abgestempelt. Dann lotsten sie mich weiter zur Gepäckkontrolle. Wir traten durch die Tür des Flughafens und liefen erstmal gegen eine Wand
aus Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Es regnete wie aus Eimern. Wir waren fasziniert von den neuen Eindrücken und auch von der Hektik, die bei vielen Taxifahrern herrschte. Jeder hielt handgeschriebene Schilder mit Namen nach oben und irgendwann fanden wir dann auch unser Schild.

Roter Oldtimer in Old Havana.
Rosa Oldtimer in Old Havana.

Endlich in unsere Casa Particulares in Havanna angekommen
OT 23:30 Uhr

Nach einer längeren Taxifahrt als gedacht, kamen wir mitten in Havanna an. Wir blieben vor einem sehr alten und heruntergekommenen Haus stehen. Das war also unsere Unterkunft. Wir klingelten und kurz darauf öffnete eine junge Frau die Tür. Sofort zog sie uns ins Haus und scheuchte uns vier Etagen mit überdurchschnittlich steilen Treppen nach oben. Die Frau war top fit – kein Wunder bei diesen Treppen.

Oben angekommen zeigte sie uns das Zimmer für die nächsten zwei Nächte und das restliche kleine Apartment. Währenddessen erzählte sie uns etwas über die Stadt und auf was wir achten müssen; wie wir uns verhalten sollten, um in keine Schwierigkeiten zu gelangen. Danach wechselte sie uns noch Geld. Sie sagte uns, der Kurs ist mittlerweile bei 1 zu 150 und die Inflation im Land ist so extrem, dass der Kurs täglich steigt. Zögernd gaben wir ihr also unser Bargeld. Sie ging aus dem Zimmer und verließ damit die Wohnung. Mit einem mulmigen Gefühl ließ sie uns zurück. Sie wirkte vertrauenswürdig – trotzdem war es ein komisches Gefühl. Nach etwa einer halben Stunde kam sie zurück und drücke jedem von uns eine große Mülltüte in die Hand. Verwundert schauten wir sie an.

„Take it. It’s your money!“, sagte sie.

Zögernd öffnete ich die Mülltüte und blickte hinein. Ich konnte nicht anders und musste leise kichern. In dieser Tüte befanden sich 90.000 CUP (Peso Cubano, die kubanische Währung). Natürlich haben wir uns vorher ausgerechnet wie viel wir umgerechnet bekommen. Aber wer rechnet damit, dass man eine Mülltüte voll mit Geldbündeln erhält? Ich nahm mir ein Bündel heraus und betrachtete es. Die höchsten Scheine waren 1.000 CUP – also knapp 7€. Die kleinsten waren 10 CUP (umgerechnet waren das nicht einmal 10 Cent).

Tag 1 in Havanna – der nächste Morgen

An unserem ersten Morgen wurden wir von einem Hahn geweckt – nicht, dass wir das nicht kennen würden – wir wohnen auf dem Land, da ist das normal. Doch wir befanden uns in einer Millionenstadt und wurden im vierten Stock von einem Hahn geweckt. In der Stadt angekommen war es, als wären wir in einer ganz anderen Welt.
Die Häuser waren wunderschön erbaut, doch größtenteils baufällig – die meisten Gebäude waren gar nicht mehr bewohnt. Überall lag Müll. Die Leute schrien über die Straßen. Es war wahnsinnig laut. Überall fuhren Oldtimer rum, Kinder ritten auf Pferden und andere brausten auf Mofas durch die Straßen. Obwohl noch keine Touristen unterwegs waren, war in den frühen Morgenstunden einiges auf den Straßen los. Die meisten lungerten vor ihren Häusern rum, tranken Kaffee und rauchten Zigarren. Kurz gesagt: es war ein Kulturschock und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Di r heruntergekommene Teil von Havana, Kuba in den Morgenstunden.

Der Wohnzimmer-Vorfall

Wir waren auf der Suche nach einem Café oder einem Bistro, als wir von einem Kubaner angesprochen wurden. Er fragte uns, ob wir etwas Bestimmtes suchen. Wir erklärten es ihm kurz und meinte, er bringt uns zu einem einheimischen Café. Leicht skeptisch gingen wir mit ihm mit. Er zeigte uns auf dem Weg vieles, doch irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass wir wirklich ein Ziel hätten. Und ehe wir uns versehen, sitzen wir in einem privaten Wohnzimmer. Dann breitet ein anderer Mann sämtliche Zigarren, Kaffeebohnen und Souvenirs auf dem Tisch aus. Wir wussten nicht, wie wir uns verhalten sollten. Es war unser erster Tag und bereits nach 30 Minuten sitzen wir bei fremden Leuten im Wohnzimmer und sollen Zigarren kaufen.

Während mein Bruder ihnen höflich erklärt, dass wir heute erst angekommen sind und noch über zwei Wochen mit dem Rucksack unterwegs sind, standen bei mir schon die Schweißperlen auf der Stirn. Was wenn diese Männer bewaffnet sind? Was wenn sie uns ausrauben und alles abnehmen, was wir haben? Vorsichtig stand ich auf und lächelte sie angestrengt an. Ich bedankte mich für die kleine Stadtführung – die wir uns echt hätten sparen können, aber gut – und erklärte ihnen, dass ich sehr hungrig bin und wir nur auf der Suche nach Frühstück seien. Sie akzeptieren unsere Ausrede schwer und schmissen uns mehr oder weniger raus. Wir gingen mit schnellen Schritten davon. Erst als wir an der Promenade ankamen hielten wir an. Ich stütze mich auf die Steinmauer und blickte aufs Meer hinaus. Der Wind wehte uns über den Kopf und zerzauste meine Haare. Meine Sonnenbrille rutscht vor Hitze langsam meinen Nasenrücken hinunter.

Mein Bruder stellt sich neben mich und lächelt. „Sollen wir weiter gehen? Nicht, dass wir wieder in fremden Wohnungen sitzen.“ Ein kurzes Lachen entkommt mir. Es ist nichts passiert, doch irgendwie habe ich mich doch ziemlich erschrocken. Nach einer kurzen Pause schlenderten wir an der Promenade entlang. Wir wussten nicht direkt, wohin wir liefen. Und auf einmal waren wir da! Meine Augen wurden groß, mein Kinn klappte fast bis zum Boden runter. Vor uns ist das was wir die ganze Zeit suchten: Old Havana.

Oldtimer vor dem Capitol in Havana, Kuba.
Mit dem Rucksack durch Kuba - Old Havana.
Old Havana und das Kapitol von Havanna bei Nacht.

Wir standen da und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Das Capitol in Havanna. Um uns herum dutzende Oldtimer. Es war sauber. Die Leute waren freundlich und zivilisiert. Es fühlte sich an, als wären wir in einer komplett neuen Stadt. Mittlerweile waren auch viele andere Touristen unterwegs und alles wirkte offener und belebter. Trotzdem hatten wir den Vorfall am Vormittag nicht vergessen. Deshalb versuchten wir auf so etwas nicht noch einmal reinzufallen. Unseren ersten Tag verbrachten wir also in Old Havana. Wir schauten uns die Stadt an, Kirchen und auch das städtische Museum. Wir saßen in einer Bar, tranken Mojitos und hörten einer Band zu, die gerade Buena Vista Social spielte – Touri-Standard-Programm, aber es gefiel uns wirklich sehr.

Zuckerrohr pressen in Trinidad, Kuba.

Die Weiterreise

Die nächsten Tage reisten wir durch das Land. Die einfachste Methode von A nach B zu gelangen waren sogenannte „Taxi Collectivos“ – Sammeltaxis, die immer für uns organisiert wurden. Die Taxifahrten waren reinste Abenteuer. Die Straßenverhältnisse auf Kuba sind so schlecht, dass man für 50km zwei bis drei Stunden einplanen musste. Trotzdem war es immer lustig. Wir kamen mit vielen anderen Touris in Kontakt und tauschten uns ständig aus. Die „Autobahnen“ waren teilweise sechsspurig. Man überholte Mofas, Pferdekutschen, Oldtimer oder Kinder auf Ponys. Zudem musste man ständig ausweichen, da es teilweise riesige Schlaglöcher gab – man hätte darin verschwinden können. Mit der Zeit gewohnten wir uns daran, dass hier alles ein bisschen länger dauerte. 

Ob es die Taxifahrten waren oder das Essen. Wir passten uns an, wurden entspannter und weniger hektisch. Außerhalb von Havanna ist es erstaunlich wie hilfsbereit die Leute sind. Jeder hilft jedem und erwartet kein Geld dafür. Zum Teil leben sie in den ärmsten Verhältnissen und würden ihren Gästen trotzdem das letzte Essen geben.

Nach Havanna war unser erster Stop Trinidad – eine traumhaft süße Kleinstadt auf der karibischen Seite der Insel. Wir hatten großes Glück mit unserer Unterkunft. Sie war sehr zentral und unsere Hostelmama Doris war pures Glück. Wir machten einen Tagesausflug mit Pferden zu Kaffeeplantagen, durften Zuckerrohrsaft pressen (siehe Bild rechts oben) und gingen in Grotten mitten im Urwald schwimmen. In Trinidad gab es außerdem viele kleine Lokale, Restaurants und Märkte, welche uns sehr in Erinnerung geblieben sind. Wir bekamen außerdem eine kleine Führung durch die örtliche Grundschule. Es war ein uraltes Haus mit einem großen Raum (Bild links oben). Es gab keine Wände und die Klassen wurden nur durch Pappe voneinander getrennt. Es gab keine Spur der heutigen Technik – kein Beamer, kein Tageslichtprojektor, kein Drucker. Die Tafeln waren zum Teil stark beschädigt und die Schulbänke waren morsch.

Buntes Klassenzimmer in Trinidad, Kuba.

Mit dem Schulbus nach La Boca

6 Tage waren wir bereits unterwegs und noch kein einziges Mal waren wir im Meer schwimmen. Wir wollten unbedingt an den Strand. Also entschieden wir uns weiterzureisen. Doris verabschiedete uns herzlich und wir liefen los, um uns ein Taxi zu suchen. Zu Beginn ohne Erfolg. Doch nach einiger Zeit sprach uns ein Kubaner an und fragte, ob wir Hilfe benötigen. Wir schilderten ihm unser Problem. Er verschwand kurz und als er wieder kam, fuhr hinter ihm ein Schulbus. Wir dachten er macht Witze, doch sein Freund war Busfahrer und hatte gerade Pause. Also fuhr er uns mit seinem Schulbus ca. 3km nach La Boca. Und das war mit Abstand die verrückteste Busfahrt, die wir jemals hatten.

Strandtag in der Karibik, La Boca, Kuba.

La Boca

Die darauffolgenden Tage verbrachten wir in La Boca. Langsam kamen wir
richtig in unserem Urlaub an und die Action wurde weniger. Unsere Unterkunft
glich einer kleinen, idyllischen Ranch mit Hunden, Katzen und auch Schweinen.
Wir fuhren oft mit den Rädern an den Strand, genossen die Sonne und das
gute Essen und lagen fast den ganzen Tag mit einem Buch in der Hängematte.

Playa Giron

Auf dem Weg nach Viñales blieben wir noch eine Nacht in Playa Giron – auch
bekannt als die Schweinebucht. Dort gab es 1961 eine gescheiterte militärische
Invasion Kubas durch die Vereinigten Staaten. Die Invasion sollte die kubanische
Regierung unter der Führung von Fidel Castro stürzen. Die kubanische
Regierung konnte die Invasion abwehren, und das Ereignis wurde zu einem
wichtigen Moment in der Geschichte Kubas und des Kalten Krieges.

Auf der Suche nach Tabakplantagen in Pinar del Rio

Am nächsten Tag machten wir uns bereits um 6 Uhr morgens auf den Weg nach Viñales. Uns stand eine lange Autofahrt bevor. Nach knapp vier Stunden kamen wir wieder in Havanna an. Dort fuhren wir auf einen großen Parkplatz etwas außerhalb der Stadt. Wir stiegen aus und innerhalb der nächsten Stunde kamen unzählige Taxen an. Aus jedem Auto stiegen Touristen aus, die ebenfalls auf der Durchreise waren . Wie Schachfiguren wurden wir von einem Taxi zum nächsten geschoben, bis ein perfekter Fahrplan ausgearbeitet wurde. Ich verlor jeglichen Überblick, doch machte mir nichts daraus. Solange unsere Rucksäcke noch da waren, machte ich mir keine Sorgen. Nach knapp zwei Stunden Pause stiegen wir ins Taxi und machten uns auf den Weg in die Tabakregion
Kubas – Pinar del Rio.

Hier werden gerade die Tabakblätter getrocknet, um sie dann weiter zu verarbeiten und Zigarren zu produzieren.
Beim Workshop werden die fertig gerollten Zigarren verpackt.

Viñales – Pinar del Rio

Nach weiteren vier Stunden stiegen wir bei unserer Unterkunft aus. Unser Taxifahrer organisierte es uns während der Fahrt – es war ein Hostel seiner Cousine. Es war wirklich wunderschön dort. Wir hatten ein großartiges Zimmer und die Gastfreundschaft war unübertrefflich. Wir bekamen nach der Ankunft erstmal etwas zu essen. Es war nichts Spektakuläres, aber absolut ausreichend und lecker. Sady – unsere Hostelmama – gab uns eine Stadtkarte und zeigte uns mögliche Tagesausflüge, die wir in den nächsten Tagen machen können. Von einer Pferdetour (dieses Mal über Tabakplantagen), Flying Fox durch die Wälder, einem Strandtag in der Karibik und einer Fahrradtour war alles dabei – und wir machten natürlich alles davon.

Die Stadt gefiel uns sehr gut. Es gab einfach alles. Abends konnte man gut essen und ausgehen. Oder einfach gemütlich auf Dachterrassen Cocktails trinken, eine Zigarre rauchen und danach noch Salsatanzen gehen. In Viñales haben wir auch das erste Mal einen Supermarkt gesehen. Ich liebe es in fremden Ländern in Supermärkte zu gehen und zu schauen, was man dort alles kaufen kann. In diesem Urlaub war das anders. Wir haben bisher noch keinen einzigen Supermarkt entdeckt. Also mussten wir natürlich sofort rein. Doch ich war etwas schockiert. 

Ausblick unserer Unterkunft in Vinales, Pinar del Rio.
Tagesausflug an den Strand von Kuba.
Mit den Pferden in Pinar del Rio unterwegs und Tabakplantagen ansehen.
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