Jung, motiviert, amputiert: Markus Rehm

Markus Rehm ist 24 Jahre alt und Goldmedaillengewinner bei den Paralympics 2012 in London. Seine Disziplin: Weitsprung. Er wäre als Sportler vielleicht heute nicht so erfolgreich, wenn es nicht jenen 10. August 2003 gegeben hätte. An diesem Tag nämlich verlor er nach einem verhängnisvollen Sturz vom Wakeboard sein Bein in einer Schiffsschraube. Seither trägt er eine Unterschenkelprothese und sagt sich selbst: „Der Unfall hat das Blatt gewendet.“ Wir, die k50-Reporter Caro und Thomas, trafen den Sportler in der Schulbibliothek, um mit ihm über seine Sportlerkarriere und seinen Unfall zu reden.

Du hattest mit 14 Jahren den schweren Unfall, bist aber bloß zwei Jahr danach Vize-Meister im Wakeboarden geworden. Wie hast du das geschafft?

Für mich stand im Krankenhaus schon fest, dass ich wieder Wakeboard fahren möchte. Mich haben damals ganz viele Freunde besucht und mit Wake- und Surfvideos ausgerüstet. Nach der Zeit dort war ich in Reha und konnte danach relativ normal gehen. Darauf habe ich meine erste Prothese bekommen, mit der man auch ins Wasser gehen kann. Ein Jahr später wollte ich wieder aufs Wakeboard steigen.

Und wie bist du zur Leichtathletik gekommen?

Zur Leichtathletik bin ich endgültig 2008 gekommen. Die Stiftung „My handicap“ hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auf der Messe „Rehacare“ zu zeigen, was man mit einer Prothese alles machen kann. Da man beim Wakeboard fahren auch auf dem Trampolin trainiert, haben sie mir ein Trampolin auf die Messe gestellt. Zufällig war bei dieser Aufführung ein Athlet von Bayer Leverkusen dabei. Anschließend lud man mich zum Sichtungstraining ein. Wir machten etwas Sport zusammen, was mir Spaß machte. Daraufhin habe ich meine 1. Sportprothese bekommen, seitdem wohne ich in Leverkusen und habe mein Hobby zum Zweitberuf gemacht.

„Die Paralympics sind etwas ganz Besonderes“

Der Behindertensport ist im Fernsehen nicht oft vertreten. Ist das OK oder ist dadurch der Erfolgsdruck nicht so hoch?

Natürlich wäre es schön, wenn wir dieselben Sendezeiten hätte wie die Olympischen Spiele. Früher wurden wir aber nicht mal in den Nachrichten erwähnt. Heute sind wir schon so weit, dass einzelne Wettkämpfe übertragen werden. Der Sport wird professioneller, wir werden immer besser und so wird es für die Zuschauer auch interessanter. Wir müssen es schaffen, dass die Leute mit Spaß unseren Sport schauen und umso mehr Respekt vor unserer Leistung zu haben.

Wie geht es bei den Paralympics hinter den Kulissen zu?

Dort herrscht eine tolle Stimmung. Das Olympische Dorf ist etwas ganz Besonderes. Bei normalen Meisterschaften hat jede Nation ihr eigenes Hotel, jetzt waren wir alle gemeinsam im Olympischen Dorf untergebracht. Wir hatten eine Bar und eine Essenshalle. So entstand ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Dadurch bot sich die Möglichkeit, jeden Sportler kennenzulernen. Trotz allem, die Konkurrenz ist da.

Beim normalen Leistungssport gibt es das Dopen am Körper. Bei deinem Sport gibt es auch Wege Dopen: Das Technikdopen.

Ganz klar ist, dass das Doping an Prothesen garnicht so einfach ist. Die Grundvoraussetzung bei einer Prothese ist: Sie muss perfekt auf den Sportler abgestimmt sein, erst dann kann ich versuchen, etwas zu verbessern.

© Fabian Stock

Was hältst du von den Leuten, die das ausnutzen?

Das Technikdoping stellt ein großes Problem dar. Gut zu merken war das in London. Dort sind gewisse Prototypen verwendet worden, an die man eigentlich nicht so leicht kommt. Offiziell wurde das bisher so geregelt, dass alle Teile, die auf dem Markt erhältlich sind, verwendet werden dürfen. Aber da muss sich das Internationale Paralympische Komitee  Gedanken machen und sagen: Entweder wir machen einen Katalog, mit allen Teilen, die man verwenden darf. So hätte jeder eine reele Chance und keiner könnte sich einen Vorteil verschaffen. Oder man sagt einfach: Macht was ihr wollt, jeder darf entwickeln, was er will und damit starten. Ich fände es schön, wenn es einheitlich wäre.

Du hast jetzt insgesamt sechsmal Gold und einmal Bronze gewonnen und bist aktueller Weltmeister im Weitsprung. Hast Du dir das jemals vorstellen können?

Nein, definitiv nicht. Nach der Reha war alles wieder so weit im Lot. Ich hatte schon immer Interesse an der Leichtathletik, allerdings hat mir dazu die Sportprothese gefehlt. Über die Messe bekam ich den Kontakt, der mir die Möglichkeit gab, mir meine Prothese sogar selber zu bauen.

Was ist das für ein Gefühl, auf dem Siegerpodest zu stehen und die Medaille umgehängt bekommt?

Das ist ein ganz tolles und beflügelndes Gefühl. Die Briten haben für eine tolle Stimmung gesorgt. Auf dem Treppchen zu stehen, das war natürlich die Krönung. Immer wenn ich davon Videos sehe, habe ich eine Gänsehaut.

„Rio 2016 ist EIN Ziel“

Als nächstes großes sportliches Ziel hast du die Paralympics 2016 in Rio ausgegeben.

Das ist ein großes Ziel jedoch habe ich auch ein paar kleine Ziele, wie z. B. die WM in Frankreich in diesem Jahr. Aber klar, Rio 2016 habe ich immer im Hinterkopf. Wenn ich fit bleibe und mich nicht verletze, ist es mir möglich, dieses Ziel zu verwirklichen. Ich trainiere jeden Tag zwei bis drei Stunden daraufhin.

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