Wie ich zum Schreiben kam?

Bücher sind schrecklich. Sie nehmen viel Zeit in Anspruch, man muss sich darauf konzentrieren und hat nur diese kleinen Buchstaben vor Augen anstelle von spannenden Bildern und schöner Musik, wie man sie aus Filmen kennt. Wie kann man diese schwarz-weißen, viereckigen Seitenstapel einem eindrucksvollen Film vorziehen?

Die Antwort auf diese Frage habe ich lange nicht gekannt, obwohl sie doch so einfach ist. Filme erlauben keine eigene Interpretation. Die Menschen sind vorgegeben, die Landschaften und die Geräusche ebenfalls. Was in Filmen jedoch verborgen bleibt, sind Gedanken und Entscheidungen, die niemand ausspricht, Gefühle, die niemand zeigt und Geschichten, die niemand erzählt.

Als ich das erkannt habe, begann ich zu lesen. Überwiegend las ich Fantasy, ich mochte keine Liebesromane oder Krimis, ich wollte etwas lesen, das mich nicht an mein Leben erinnerte, sondern bei dem ich für eine Zeit lang in dieses völlig fremde und realitätsferne Leben eintauchen und mein Eigenes vergessen konnte. Ich lese ebenfalls total gerne alte Werke von Shakespeare oder anderen berühmten Schriftstellern. Ich liebe es, mir auszumalen, wie die Menschen wohl aussehen und wie sich ihre Stimmen anhören würden. Für mich war es damals so erstaunlich, wie Autoren es fertigbrachten, aus der Fantasie heraus einen völlig realistischen Menschen zu erschaffen und um ihn herum eine Geschichte zu schreiben. Aus dem Grund begann ich mit zwölf Jahren, selber zu schreiben. Natürlich war das nicht annähernd so gut, wie die Werke meiner Lieblingsautoren, das wusste ich. Aber mit der Zeit wurde ich besser und schrieb nicht nur an meiner großen Geschichte, die irgendwann wirklich viel zu kompliziert und unrealistisch wurde, sondern begann, Kurzgeschichten und Gedichte zu verfassen. Ich liebte den Gedanken, etwas Neues zu erschaffen – zu wissen, dass das, was ich schrieb, noch nicht existierte und so geht es mir heute noch. Im Moment arbeite ich gerade an einer Geschichte, die sich seit langem schon in mein Gedächtnis eingebrannt hat und die sich auf dem Papier hoffentlich genauso gut anhören wird wie in meinem Kopf.

Mein Leben besteht eigentlich überwiegend aus Musik, Malerei und natürlich dem Schreiben und Lesen. Dennoch bin ich niemand, der den ganzen Tag alleine in seinem Zimmer sitzt und große Dinge mit seinen unveröffentlichten Texten vorhat. Natürlich treffe ich mich mit Freunden, gehe aus – Dinge, die junge Mädchen normalerweise eben tun. Aber wenn ich mich nicht gerade mit jemandem verabrede oder Zeit für die Schule aufbringen muss, dann ist das Schreiben eine gute Möglichkeit, der Realität für eine kurze Zeit zu entkommen und eine neue Welt zu erschaffen, die versteckt ist hinter kleinen schwarzen Buchstaben und nur darauf zu warten scheint, vollendet zu werden und zum Leben zu erwachen. Meine eigene Welt, wie sie langsam zu existieren beginnt und immer größer, lebendiger und spannender wird. Das ist vielleicht kein gewöhnliches Hobby, aber mir bedeutet es sehr viel, zu schreiben und ich würde nicht auf das vertraute Klicken der Laptop-Tasten verzichten wollen oder das immer gleiche Lied, das im Hintergrund so leise läuft, dass ich es mit der Zeit kaum noch wahrnehme.

All das ist mittlerweile Teil meines Lebens und ich würde keine Sekunde, die ich auf den Bildschirm meines PCs schaute, vermissen wollen. Weil ich jedes Mal, wenn ich ihn ausschaltete, das Gefühl hatte, vollkommen befreit zu sein und es mir tatsächlich möglich wäre, irgendwann so ein Leben zu führen, wie ich es gerade erschaffen habe.

Bis zu dem Zeitpunkt, als ich wieder in die wirkliche Welt hinausblicke und mit der Realität all meine Aufgaben und Verpflichten zurückkehren. Dann stelle ich mir die Frage, wie ich das Schreiben als etwas Besonderes empfinden könnte, wenn ich tatsächlich so leben würde wie die Personen in meinen Geschichten.

Text // Maria Widmann

 

 

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