Princess Charming

„Egal welches Geschlecht – die Liebe zwischen zwei Menschen kann nur etwas Wundervolles sein“ Auf TVNOW läuft seit dem 25. Mai 2021 das weltweit erste lesbische Dating-Format „Princess Charming“ und feiert damit eine grandiose Premiere in Deutschland. m80-Autorin Dominique Rösner hat die Show verfolgt und erklärt uns, warum die homosexuellen Formate so viel besser sind als die Hetero-Shows.

Nach der 2016 gestarteten amerikanischen TV-Show „Finding Prince Charming“ suchte 2019 in dem Format „Prince Charming“ erstmals ein homosexueller Mann im deutschen Fernsehen nach der großen Liebe – mittlerweile steht für die Show schon die dritte Staffel an. Nun, zwei Jahre später, ziehen auch die Frauen nach und wir bekommen im deutschen Fernsehen die weltweit erste lesbische Dating-Show „Princess Charming“ zu sehen.

© Media Hub Mediengruppe RTL Deutschland

Ketten anstatt Schnittblumen

Irina Schlauch, Rechtsanwältin aus Köln, ist die erste deutsche „Princess Charming“ und wagt damit den Sprung ins aufregende Dating-Experiment. Sie hat in der Show die Möglichkeit unter 20 Kandidatinnen die Frau fürs Leben zu finden. In Gruppen- und Einzeldates fühlt die 30-Jährige ihren Ladies auf den Zahn und entscheidet dabei, wen sie näher kennenlernen möchte und wen nicht. Statt Rosen wie beim „Bachelor“ oder der „Bachelorette“ werden Ketten an die Frauen verteilt, um die sie Woche für Woche zittern müssen. Die aufregende Reise führt die Princess und ihre Single-Ladies auf die griechische Insel Kreta, dem ehemaligen Schauplatz des männlichen Pendants, an dem die 20 Kandidatinnen in dieselbe Villa einziehen.

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Die Princess

Irina hatte ihr Coming-out mit 23 Jahren und beschreibt dieses als unkompliziert: „Ich bin sehr tolerant erzogen worden. Insofern wusste ich, dass das für meine Familie kein Thema sein wird. Dafür bin ich sehr dankbar“. Sie ist seit einem halben Jahr Single und nun bereit für die große Liebe. Neben dieser Suche ist es Irinas großes Ziel, den Menschen vor dem Fernseher zu zeigen, dass lesbische Liebe völlig normal ist und um mit antiquierten Klischees aufzuräumen.

„Mir ist bewusst, dass wir lesbischen Frauen nur ein kleiner Teil einer großen und bunten Community sind. Aus diesem Grund freue ich mich umso mehr, dass wir nun die Möglichkeit haben, uns zeigen zu können – und dass wir einfach coole Frauen sind. Nicht mehr und nicht weniger“. Und die Reaktionen sind überwältigend: Irina bekommt auf Instagram regelmäßig Nachrichten von Followerinnen, die durch diese Sendung den Mut gewonnen haben, sich zu outen und sich selbst zu akzeptieren. Selbst Jochen Schropp lobt: „Ich als schwuler Mann habe direkt in der ersten Folge so einiges über Frauen gelernt, die Frauen lieben. Da wird Unterhaltung zur Aufklärung!“

Von „Pussy Power“ und ernsthaften Gesprächen

Die 20 Traumfrauen bilden einen bunt gemischten Cast und bei so vielen unterschiedlichen Frauen bleibt die eine oder andere Reiberei natürlich nicht aus. So kommt es im Staffelauftakt am ersten Entscheidungsabend zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Showteilnehmerinnen, die nicht gezeigt wird. RTL blendet dazu lediglich eine Texttafel mit den Worten „Leider kommt es bei Sonja und Ulle zu einer Auseinandersetzung, die bei Princess Charming keinen Platz hat und ihre Teilnahme mit sofortiger Wirkung beendet“ ein. Eine gute Entscheidung des Senders, die dieser schon in anderen Formaten hätte beherzigen sollen.

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Bis auf den Vorfall läuft das Leben in der Mädelsvilla sehr harmonisch ab – die Frauen verfolgen nicht nur das Ziel, Irinas Herz zu gewinnen, sondern auch die LGBTQ-Community zu stärken und ihre eigenen Statements zu lesbischer Liebe preiszugeben: „Der Regenbogen ist groß – es gibt noch so viele Farben, die wir alle zeigen müssen“. Dass das Format nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich ist, beweist die emotionale Teilnehmerin Miri: „Ich hab‘ schonmal mit ’nem Mann geknutscht, aber ich habe noch nie mit ’nem Mann geschlafen. Das nennt man in der Szene übrigens Gold Star Lesbian“.

Zwischen High Heels und Anzügen

Das Thema lesbischer Sex wird offen und direkt angesprochen, die Kandidatinnen und auch die Princess nehmen kein Blatt vor den Mund und es ist für einen heterosexuellen Zuschauer*innen ungemein interessant wie lesbische Liebe wirklich funktioniert, abgesehen von klischeebehafteten Pornofantasien heterosexueller Männer. So fragt Irina die Kandidatinnen beim Gruppendate ganz locker in die Runde: „Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie gerne leckt ihr?“ Statt der klassischen Fleischbeschauung der Heteroformate, wo jede*r Kandidat*in am ersten Abend einzeln in einer Limousine vorgefahren wird, mit unbeholfenem Rumgestammel und peinlichen Auftritten auf den „Bachelor“ oder die „Bachelorette“ trifft, spaziert die Princess einfach im eleganten schwarzen Anzug in die Villa der Kandidatinnen und lernt die Ketten-Anwärterinnen ungezwungen kennen. High Heels und Make Up gibt es in der lesbischen Datingshow zwar auch massenhaft, aber zur Vorbereitung auf das erste Treffen mit der Princess gehört eben auch, dass der Schädel nochmal kahl rasiert und das Sakko gebügelt werden muss.

Authentizität anstatt Fame

Während in den Hetero-Shows „Bachelor“ und „Bachelorette“ die Kandidat*innen die Sendung teilweise nur als Sprungbrett für Ruhm ausnutzen (dies aber vehement bestreiten und beteuern, nach der wahren Liebe zu suchen) kauft man den Kandidatinnen des lesbischen Formats ihre ehrlichen Absichten ab. Sie wirken authentischer und glaubhafter und selbst wenn der Funke mit der Princess nicht überspringen will, haben alle ein gemeinsames Ziel vor Augen: Auf ihre Community aufmerksam zu machen und die Leute vor den Bildschirmen aufzuklären – „Viva la Vulva!“

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Kann „Trash TV“ politisch sein?

Und so wird aus dem eigentlichen „Trash-TV-Format“ eine politische Show mit einem Bildungsauftrag. Kandidatin Wiki rappt dazu in Folge 3 „Ich, ich wollt mich niemals outen, ich wollt einfach nur durch mein Leben laufen, unpolitisch – doch das geht nicht. Denn jeder Sex und jedes Händchenhalten ist für euch kritisch.“ Ein brandaktuelles Thema – das sieht man daran, dass die UEFA 2021 die Regenbogenflagge im Stadion verboten hat und sich als unpolitisch abgibt, was zu massiver Kritik in der Gesellschaft geführt hat. In der TV-Show werden auf diese Weise viele Facetten und so viele verschiedenen Menschen gezeigt, die für eine gemeinsame Sache kämpfen, dass es unmöglich ist, diese Sendung als „Trash“ abzutun. Daher: Ja, auch „Trash-TV“ kann politisch sein.

Fazit

Diese Show ist ein absolutes Muss für Alle – egal ob jung oder alt. Sie befasst sich, auf eine spannende und auch äußerst humorvolle Weise, mit der Thematik, mit der wir alle in Berührung kommen und spricht unverblümt die Schwierigkeiten an, mit denen homosexuelle Menschen täglich konfrontiert werden. Sie informiert, sensibilisiert und kritisiert die Tatsache, dass gleichgeschlechtliche Liebe leider immer noch für viele in der Gesellschaft ein Problem darstellt. Ich bin der Meinung, dass diese Show ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist, dass die heutige Gesellschaft mehr Toleranz entwickeln sollte und sich mit dem für uns alle wichtigen Thema auseinandersetzt. Liebe ist das Schönste, was es gibt und das größte Glück, das einem Menschen widerfahren kann und niemand sollte sich verstecken oder dafür schämen müssen, wen er oder sie liebt. „Ich hoffe, dass wir gerade durch diese Sendung die Menschen noch erreichen, bei denen das noch nicht in den Köpfen angekommen ist: Dass Homosexualität kein Thema mehr sein sollte – für niemanden mehr – und das wünsche ich mir nicht nur von der jüngeren Generation, sondern von allen.“ – Irina, Princess Charming.

Alle Infos zur Show gibt es auf RTL.de und auf TVNOW könnt ihr die Show streamen. Ob und wann die Show auch im Free-TV läuft, ist bislang noch nicht bekannt, aber eine zweite Staffel wurde in der großen Wiedersehensfolge von RTL bereits offiziell bestätigt.

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